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Auszeit am Hohentwiel

Südkurier vom 19.04.2013, Autor: Claudia Rindt

Pflegeeltern haben Haus für Pädagogik gefunden

Neues Wohnmodell mit Vorbildcharakter

Auszeit am Hohentwiel
Ein Haus des Guts am Hohentwiel (hinten) ist neuer Sitz für das geplante Auszeitenwohnen des Adoptiv- und Pflegeelternvereins. Hubertus Both (links) von der benachbarten Schäferei, Vereinsvorsitzende Angelika Gattmann (4. v. li.) sowie Mitglieder und Förderer freuen sich.
Bild: Rindt

Konstanz/Singen - Auf halber Höhe zum Hohentwiel sollen bald Pflege- und Adoptivkinder pädagogische Hilfen bekommen. Das sogenannte Auszeiten-Wohnen will die Persönlichkeit der Kinder stärken und die Pflege- und Adoptivfamilien entlastet. "Es ist ein innovatives Projekt. Das kann weit über den Landkreis hinausstrahlen", sagt Karin Heiligmann, Präsidentin des Inner Wheel-Clubs Constantia, der das Vorhaben unterstützt. Der Konstanzer Pflege- und Adoptivelternverein sichert sich dafür ein Haus des landwirtschaftlichen Guts (Domäne) am Hohentwiel.

Das Land hatte einen neuen Mieter gesucht. Die Elterninitiative bewarb sich mit dem Projekt und bekam den Zuschlag für die 330 Quadratmeter Wohnfläche sowie Gärten. Vorsitzende Angelika Gattmann kündigt an, jetzt verstärkt um Spenden zur Anschubfinanzierung werben zu wollen. Neben dem Inner Wheel-Club hat sie den Rotaract Club Konstanz-Kreuzlingen neu als Unterstützter gewonnen.

Dem Verein eröffnen sich eventuell mit der benachbarten Schäferei Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Der Agrarbiologe Hubertus Both zeigt sich aufgeschlossen dafür. Der Betrieb gehöre zum "Lernort Bauernhof", der immer wieder seine Türen für Schulklassen öffne. Both hatte 15 Jahre lang selbst in dem Haus gelebt. Er zieht nun in eine Wohnung gegenüber.

"Es ist ein Seelenort", schwärmt Vereinsvorsitzende Angelika Gattmann über den Standort des Hauses. Neben den Räumen kann der Verein große Freiflächen für die pädagogische Arbeit mit den Kindern nutzen. Genauso hatte sich Angelika Gattmann das Projekt immer ausgemalt. Bei der Suche nach einer Bleibe hatte der Verein davor aber immer wieder Rückschläge erlebt.

Angelika Gattmann aber gab nicht auf. Sie ist selbst seit 27 Jahren Pflegemutter. Sie hat vier Pflegekinder ins Erwachsenenleben geführt. Sie weiß, vor welchen Herausforderungen Pflege- und Adoptiveltern stehen. Die aufgenommenen Kinder kämen oftmals aus desolaten Familien, in der grobe Vernachlässigung und Gewalt herrschten. Die Kinder benötigten besonders starke Unterstützung. Daran drohten manche Pflegeverhältnisse zu scheitern, weiß Gattmann. Das Auszeiten-Wohnen möchte den Adoptiv- und Pflegefamilien Entlastung auf Zeit bieten. Das Kind wohnt für einige Wochen pädagogisch betreut, zusammen mit anderen Pflege- und Adoptivkindern. Diese Zeit soll genutzt werden für neue Erfahrungen, die das Selbstwertgefühl und Verantwortungsbewusstsein stärken. Gattmann rechnet mit einem Bezug des Hauses am Hohentwiel bis Anfang Dezember. Bis dahin müsse der Verein die finanzielle Basis für den Start gelegt haben. Anträge für Unterstützungsgelder bei Stiftungen und Lotterien seien am Laufen, zudem werde das Sammeln von Privatspenden intensiviert.

Wenn Pflegefamilien an Grenzen stoßen

Das Haus: Das landwirtschaftliche Gut (Domäne) am Hohentwiel wurde 1868 errichtet. Die heutige Schäferei bewirtschaftet mit rund 700 Schafen rund 250 Hektar Grün- und Ackerland extensiv, also ohne künstliche Pflanzenschutzmittel und Futterzusatzstoffen. Ins große Pächterhaus, das zuletzt nur noch teilweise durch Mitarbeiter der Schäferei bewohnt war, zieht nun der Adoptiv- und Pflegeelternverein mit dem Auszeitenwohnen.

Das Projekt: In einem bundesweit einmaligen Projekt soll das Haus Adoptiv- und Pflegekinder vorübergehend aufnehmen, wenn eine Pflegefamilie an die Grenzen der Belastung kommt. Dies kann etwa durch das besondere Verhalten des Kindes verursacht sein. Bis zu acht Kinder sollen bis zu zwei Monate pädagogisch begleitet leben und bei Arbeiten in der Natur in ihrer Persönlichkeit gestärkt werden. Solche Auszeitangebote gibt es bisher nicht.

Die Spenden: Der Verein benötigt noch Gelder, um den Start des Projekts zu sichern. Nach Vereinsangaben wollen Handwerker auf Spendenbasis bei der Renovierung helfen. Zudem unterstützen Privatbürger, aber auch der Inner Wheel-Club Constantia und der Rotaract-Club Konstanz-Kreuzlingen das Vorhaben. Das Spendenkonto des Adoptiv- und Pflegeeltern Vereins lautet: Volksbank Konstanz, Kontonummer: 2 16 68 95 18, Bankleitzahl: 692 910 00.